Mastjahre in Baar: Wenn Buchen und Eichen im Herbst Millionen Samen ausschütten
Die Fachstelle Energie und Umwelt der Gemeinde Baar beleuchtet in der Baarer Zytig das Phänomen der Mastjahre. Dabei produzieren Buchen und Eichen massenhaft Samen.

Wer im Herbst durch die Wälder streift, entdeckt oft dicke Teppiche aus Eicheln und Bucheckern am Boden. In solchen sogenannten Mastjahren schütten bestimmte Baumarten wie Buchen und Eichen deutlich mehr Samen aus als in gewöhnlichen Jahren. Die Fachstelle Energie und Umwelt der Gemeinde Baar widmet diesem Naturphänomen in der aktuellen Ausgabe der Baarer Zytig vom 7. Oktober Aufmerksamkeit.
Bedeutung für die Tierwelt und Witterungseinflüsse
Das reichhaltige Nahrungsangebot hat direkte Auswirkungen auf die Tierwelt. Arten wie Mäuse, Eichhörnchen und Eichelhäher profitieren massiv davon. Dank der Fülle an Nahrung können sich manche Tierpopulationen in den Folgejahren stärker vermehren. Ein einzelner Eichelhäher versteckt im Laufe eines Jahres mehrere Tausend Eicheln, wodurch vergessene Verstecke wesentlich zur natürlichen Verbreitung der Eichen beitragen.
Hinter der massenhaften Samenproduktion steckt kein Zufall. Klima und Witterung spielen eine zentrale Rolle. Insbesondere warme und trockene Sommer kurbeln oft die Bildung von Blütenknospen an, die meist bereits im Vorjahr angelegt werden. Wissenschaftler diskutieren zudem die Theorie, dass Bäume bei umweltbedingtem Stress einen grösseren Teil ihrer Energie in die Fortpflanzung stecken. Allerdings führt extreme Trockenheit nicht zwingend zu mehr Früchten; bei zu starkem Stress drohen Fruchtabwurf oder Schäden an der Vitalität der Bäume.
Fragezeichen nach dem Hitzejahr 2026
Das Jahr 2026 war in grossen Teilen der Schweiz von starker Hitze und Trockenheit geprägt. Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) dokumentierte infolgedessen eine deutliche Verschlechterung des Kronenzustands von Laubbäumen. Ob solche Extremjahre zwangsläufig ein Mastjahr auslösen, lässt sich wissenschaftlich jedoch nicht pauschal beantworten. Zwar erhöht Hitze- und Trockenstress die Wahrscheinlichkeit für eine verstärkte Samenbildung, ein direkter Automatismus existiert aber nicht.
Ob ein Jahr tatsächlich als Mastjahr gilt, lässt sich erst im Nachhinein anhand der tatsächlichen Beobachtungen im Wald feststellen. Mastjahre folgen keinem festen Rhythmus und treten von Region zu Region unterschiedlich auf. Da die Erforschung dieses Verhaltens wertvolle Hinweise darauf liefert, wie Waldbäume auf den Klimawandel reagieren, gewinnen Beobachtungen durch Forstdienste und Forschende zunehmend an Bedeutung.
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